Fachleute beurteilen die Gossauer Primarschulen
Wie gut funktionieren unsere Schulen? Wie beurteilen Kinder, Eltern, Lehrpersonen und externe Fachleute die Schulpraxis? Wo können wir Verbesserungen erreichen? Die Primarschulen Gossau und 4Wachten wurden zwischen Mai und August 2010 von der Fachstelle für Schulbeurteilung der Bildungsdirektion in einer externen Evaluation begutachtet. Diese Fachstelle hat die Aufgaben der bisherigen Bezirksschulpflegen übernommen und überprüft alle vier Jahre die Qualität der einzelnen Volksschulen im Kanton Zürich.
Dafür wurden Dokumente der Schule geprüft, Lehrpersonen, Kinder und Eltern schriftlich befragt, Interviews geführt und der Unterricht von Fachleuten besucht. Die Themenbereiche „Lebenswelt Schule“, „Lehren und Lernen“ sowie „Führung und Management“ wurden beurteilt und zu einem Qualitätsprofil der Schule zusammengesetzt. Jede Schule konnte zusätzlich ein Qualitätsthema auswählen, das bei ihr besonders genau angeschaut wurde. Bei der Primarschule Gossau war das „Schulinterne Zusammenarbeit“, bei 4Wachten „Klassenführung“.
Unsere Schulen sind gut – und können noch besser werden
Es ist sehr erfreulich, dass die Fachleute der Bildungsdirektion in beiden Primarschulen eine gute bis sehr gute Qualität festgestellt haben. Die Lehrpersonen engagieren sich für ihre Schülerinnen und Schüler. Es wird eine lebendige Gemeinschaft gefördert. Die Kinder fühlen sich fair behandelt und finden Hilfe, wenn etwas vorfällt oder sie unsicher sind. Das Schulklima ist gut. Eltern, Lehrpersonen und Kinder teilen diese Einschätzungen. Die kleinen, überschaubaren Schulhäuser von 4Wachten gelten als familiär; die Kehrseite davon ist eine fehlende Einheitlichkeit, z.B. bei den Regeln – jedes Schulhaus funktioniert ein bisschen als Welt für sich. Auch um die Unterrichtsqualität steht es gut. Es wird abwechslungsreich und anregend unterrichtet. Viele Lehrpersonen setzen offene Aufgabenstellungen auf verschiedenen Niveaus ein, damit jedes Kind seinem Lernstand gemäss gefördert werden kann. Sie achten auf ein Klassenklima, das die Kinder wertschätzt und das Lernen fördert. Personell und organisatorisch werden die Schulen gut geführt, die Lehrpersonen fühlen sich von der Schulleitung unterstützt. Beide Schulen haben ihr erstes Schulprogramm aufgestellt und daraus Jahresziele, Projektaufträge und Terminpläne abgeleitet. Jetzt sind sie an deren Umsetzungen.
Zu verbessern gibt es immer etwas. Viele Hinweise laufen auf mehr Einheitlichkeit hinaus, z.B. bei Kriterien für die Schülerbeurteilung oder Regelsystemen an den verschiedenen Schulhäusern. Ein Ausbau von Lernangeboten, die nach Schwierigkeitsgrad und Lerntempo differenziert sind (z.B. mit Wochenplänen, Werkstätten, Zusatzarbeiten für Leistungsstärkere), wäre sinnvoll. In 4Wachten arbeiten erst einzelne Lehrpersonen systematisch damit. Ihre Erfahrungen und Kenntnisse könnten gezielt eingesetzt werden zur Weiterbildung aller. Vereinheitlicht werden könnten auch Lernzielabsprachen und Vergleichsarbeiten mit Parallelklassen der gleichen Schule oder vergleichende Lernstandserfassungen (Klassencockpit). Einige Eltern wünschen sich eher weniger, aber auf das Wichtigste zusammengefasste Informationen. Projekte, Schul- und Jahresprogramme könnten systematischer ausgewertet und daraus Massnahmen abgeleitet werden.
Primarschule Gossau
Für die Primarschule Gossau hält das Expertenteam fest, dass die Qualität im Unterricht sowie in der schulinternen Zusammenarbeit gut ist. Es muss vermehrt als eine gemeinsame Aufgabe der ganzen Schule verstanden werden, das zu sichern und weiterzuentwickeln. Klare Projektaufträge, in denen Ziele, Ablauf, Termine und die Überprüfung festgehalten sind, sowie systematische Auswertungen von Anlässen, Projekten und der Zusammenarbeit sind hilfreich. Das ganze Team kann man gut einbeziehen und mitnehmen, wenn in den Schulkonferenzen und Konventen regelmässig kurz über den Stand der einzelnen Projekte informiert wird. Nach ihrem Abschluss sollten Projekte auch während der Einführung und Umsetzung begleitet und ihre Wirkung regelmässig überprüft werden. Aus dem besonderen Interesse der Schule am Entwicklungspotenzial bei der schulinternen Zusammenarbeit ergaben sich zusätzliche konkrete Empfehlungen. Ein lohnendes Thema wäre es, einheitliche Kriterien für die Beurteilung von Schülerleistungen sowie von Lern- und Entwicklungsfortschritten der Kinder zu erarbeiten und festzulegen.
Primarschule 4Wachten
Mit den verstreuten Schulhäusern und der erst kurzen gemeinsamen Geschichte gibt es in 4Wachten bisher noch viele unterschiedliche Schulhauskulturen. Die Empfehlungen laufen deshalb auf ein stärkeres Zusammenführen der immer noch relativ unabhängig voneinander funktionierenden Schulhäuser hinaus. Schulkonferenz und Teamsitzungen könnten Zeit beim Organisatorischen und der Information sparen und stattdessen mehr pädagogische Themen diskutieren und über die Zusammenarbeit in der Schul- und Unterrichtsentwicklung nachdenken. Ein wichtiges Thema ist die einheitliche, auf Kriterien beruhende und vergleichbare Beurteilung von Schülerleistungen. Dies könnte zu einem pädagogischen Schwerpunkt gemacht werden. Wichtig ist dabei eine saubere Trennung der fachlichen und der überfachlichen (Arbeits-, Lern und Sozialverhalten) Leistungen der Kinder. Das Schwerpunktthema Klassenführung interessierte 4Wachten besonders. Dafür gab es gute Rückmeldungen vom Expertenteam sowie Hinweise auf Entwicklungspotenziale: klare Lernziele und mehr offene, auf verschiedenen Niveaustufen angebotene Aufgabenstellungen und Freiräume für aktives, entdeckendes Lernen. Der Klassenrat wird noch sehr unterschiedlich eingesetzt, aber eine verbindliche Form der Schülermitsprache auf Klassenebene ist bereits im Aufbau. Das Thema Klassenführung eignet sich überhaupt für die Entwicklung einer gemeinsamen Schulkultur.
Wie geht es weiter?
Die Ergebnisse der Auswertung werden gezielt zur Weiterentwicklung der Schul- und der Unterrichtsqualität genutzt. An beiden Primarschulen werden Massnahmepläne erarbeitet, die in den nächsten Schulprogrammen und Jahresplänen berücksichtigt und von der Primarschulpflege abgenommen werden. Diese bilden wiederum die Grundlagen für die nächste Evaluation in vier Jahren.
